Donnerstag, 17. Januar 2008

Nokia Bochum - kein Anschluss unter dieser Nummer

"Connecting people"- "Menschen verbinden", so heißt der Werbeslogan von Nokia. Das Motto ist nun auf den Kopf gestellt, zumindest in Bochum. Das Werk des Handy-Herstellers wird dicht gemacht. 2000 Menschen stehen bald auf der Straße. Die Betroffenen, als sie die Nachricht erfuhren, waren wenig amused. In den Gesichtern sah man Leere und Wut. Der Schlag kam unerwartet.
Die Ankündigung Nokias: Man will nach Rumänien umziehen. Dort ist es billiger.

Zuvor hat man Landes- und Staatssubventionen in Höhe von 88 Millionen Euro mitgenommen. Dann springt man weiter. Diese Art von "Konzern-Jumping" ist bekannt. Das kann nur funktionieren, wenn Politiker solche Deals unterstützen.
Globalisierung-Grenzenlos; in jeder Hinsicht. Nicht die Mitarbeiter interessieren, sondern die Profitmaximierung. Immer größer, immer flächendeckender werden Konzerne. Sie breiten sich über die globale Landkarte aus, wie die Fangarme einer Krake. Auch wir haben unsere international operierenden Konzerne.

Der finnische Handy-Riese Nokia beschäftigt weltweit 112 000 Menschen, 60 000 davon in Europa. Nicht nur die Handies klingeln, auch die Kasse. Wer hat heutzutage kein Handy?
Die Nachrichten-Bilder zeigten Beschäftigte, die ihr Nokia-Handy zu Boden warfen.
"Nie mehr!" rief einer der noch Beschäftigten.

Wer`s glaubt, wird selig. Wenn es kein Nokia ist, dann wird es bald ein Motorola oder ein BenQ sein. Große Konzerne suggerieren Sicherheit und andere kindliche Gefühle. Mutter-Konzern. Vertrauen. Wärme.
"Wir sind eine große Familie."
Suggestion ist alles.

Dazu auch passend die Sendung "Plusminus" (ARD, 15. Jan. 2008) "Die miesen Tricks von Mobilfunkanbietern - versteckte Abos" in Lockverträgen. Aus vermeintlichen Schnäppchen-Angeboten wird nach und nach Kunden-Abzocke, nicht selten mit unlauteren Mitteln.
Am Anfang steht die Werbung. Bunt, groß, flächendeckend. Jeder soll angesprochen und verführt werden. Und es funktioniert. Die Menschen als Fische. Sind sie am Haken, lässt man sie erst wieder los, wenn man sie verzehrt hat.

Bloß wo bleibt der Widerstand der Fischlein?
Über Jahre hat man sie gut angefüttert.
"Du Mami", sagt das Kleinkind. "Ich ist mein Handy?"
"Wo ist mein Handy?" verbessert die Mutter ihr Vierjähriges.